Die Prüfung ist in zwei Wochen. Dein Buch liegt offen da, deine Hand wandert zum Handy. Du hast gerade eine ganze Seite gelesen und keine Zeile behalten.

Also strengst du dich mehr an, und es wird schlimmer.

Die Schritte unten folgen der Reihenfolge, in der sie anfallen. Sie reichen vom Zustand deines Kopfes bis zum letzten Block eines langen Tages.

Der Ablauf für einen Block konzentrierter Arbeit, Schritt für Schritt:

Denselben Satz dreimal lesen ist ein Warnsignal

Kannst du dich beim Lernen nicht konzentrieren, prüfe deinen Kopf, bevor du deiner Willenskraft die Schuld gibst. Bist du müde, kannst du dich nicht konzentrieren, egal wie sehr du dich antreibst.

Lerne deine Warnsignale kennen: Du liest denselben Satz dreimal, greifst ständig zum Handy oder spürst ein Ziehen hinter den Augen.

Müde lernst du weniger, und du machst Fehler, die du morgen suchen und korrigieren musst. Du produzierst Ergebnisse, die du nochmal machen darfst. Und ein Block, der sich wie Qual anfühlt, nimmt dir die Lust auf den nächsten.

Quäl dich nicht durch. Wähl einen kürzeren Block oder mach erst deinen Körper wach, mit einem Mini-Workout oder kaltem Wasser auf Nacken und Gesicht. Bist du massiv müde, mach einen Power Nap von 10 bis 20 Minuten oder verschieb den Block.

Mehr dazu findest du unter wie du dich konzentrierst, wenn du müde bist. Weitere Gründe stehen unter warum du dich beim Lernen nicht konzentrieren kannst.

Leg dein Handy in einen anderen Raum, bevor du deine Unterlagen aufschlägst

Ist dein Kopf wach, leg dein Handy in einen anderen Raum, bevor du deine Unterlagen aufschlägst. Selbst unberührt kostet es dich Konzentration.

Ward, Duke, Gneezy und Bos (2017) zeigten: Allein die Anwesenheit des eigenen Smartphones verringert die verfügbare geistige Kapazität. Das gilt selbst dann, wenn du der Versuchung widerstehst, draufzuschauen.

Laut Stothart, Mitchum und Yehnert (2015) störte schon eine Benachrichtigung die Leistung bei einer Aufgabe, die volle Aufmerksamkeit verlangt. Das galt auch ohne Griff zum Handy. Der Effekt war ähnlich groß wie bei aktiver Nutzung.

Also raus mit dem Handy, dann räum den Rest frei:

  • Handy: aus, in einer Schublade oder einem Schrank in einem anderen Raum. Nicht auf dem Schreibtisch, nicht in deinem Blickfeld.
  • Menschen: Sag Mitbewohnern oder Familie, dass du die nächsten 45 Minuten nicht ansprechbar bist.
  • Schreibtisch: Räum alles weg, was nicht zu dem Fach gehört, das du gerade lernst.
  • Laptop: Schließ E-Mail, Chat, Social Media und jeden Tab, den dieses Fach nicht braucht. Schalte „Nicht stören“ ein.

Sobald das Handy außer Reichweite ist, wird es in deinem Kopf erstaunlich ruhig. Flugmodus und „Nicht stören“ haben mir nicht geholfen; heute ist mein Handy aus, in einer Schublade im Flur. Für den Rest deiner Umgebung lies, wie du Ablenkungen bei Deep Work vermeidest.

Wie lange solltest du am Stück lernen?

Ist das Handy weg, stell einen Timer. Lass deinen heutigen Zustand die Länge bestimmen, von 15 bis 90 Minuten. Den Block beendet der Timer, nicht deine Willenskraft.

Der Timer ist das Signal: Jetzt beginnt die Arbeit. Ohne ihn lernst du entweder zu kurz oder zu lang. Wähl die Länge, die zu deinem Zustand heute passt:

LängeDein Zustand heute
90 MinutenMaximal fit und motiviert
45 MinutenFit, konzentriert, motiviert. Ideal
35 MinutenIrgendwas mittendrin; 45 Minuten fühlen sich zu lang an
25 MinutenHeute unkonzentriert
15 MinutenStark unmotiviert; animiert zum Anfangen, besser als nichts

Geh die Tabelle von oben nach unten durch und spür in dich hinein. Stopp bei der Länge, die sich gerade noch machbar anfühlt.

Du kannst den Timer immer überziehen und weiterarbeiten, wenn du im Flow bist. Im Zweifel lieber kürzer starten.

Nimm eine Timer-App auf dem Computer. Das Handy ist die letzte Möglichkeit, und dann nur im Flugmodus mit „Nicht stören“. Mehr dazu, wie lang eine Deep Work Session sein sollte.

Schreib auf, was du danach kannst, nicht was du liest

Der Timer läuft. Schreib jetzt das Block-Ziel als erreichten Zustand auf, und aus Nochmal-Lesen wird ein Ergebnis, das du prüfen kannst.

Nimm deinen Protokoll-Zettel, einen leeren Zettel für dein Ziel und deine Schritte, und schreib das Ziel darauf. Im Kopf bleibt ein Ziel vage, auf Papier verpflichtet es dich. Formuliere es als erreichten Zustand, nie als Tätigkeit, zum Beispiel:

Statt dieser TätigkeitSchreib dieses Block-Ziel
Kapitel 5 nochmal lesenDie drei Hauptgedanken aus Kapitel 5 aus dem Kopf erklärt
Die Vorlesungsnotizen markierenZehn Übungsfragen ohne Unterlagen beantwortet
Die Vokabeln durchgehenVokabelliste einmal abgefragt, Fehler markiert

Dunlosky und Kollegen (2013) haben Lerntechniken untersucht. Sie bewerteten Übungstests und verteiltes Lernen (über mehrere Termine verteilt) als sehr nützlich, nochmal Lesen und Markieren als wenig nützlich.

Ein Ziel wie „zehn Fragen ohne Unterlagen beantwortet“ kannst du am Ende des Blocks prüfen, „Kapitel nochmal gelesen“ nicht.

Erreichst du das Ziel nicht, geht die Welt nicht unter. Je öfter du das machst, desto besser schätzt du ein, was realistisch ist. Aktive Lerntechniken findest du unter Deep Work für Studenten.

Was tust du, wenn deine Gedanken beim Lernen abschweifen?

Auch mit klarem Ziel schweifen deine Gedanken ab, also kämpf nicht im Kopf dagegen an. Park den Gedanken auf Papier. Hast du den Faden verloren, weißt also nicht mehr, wo du stehst, schreib den nächsten Mini-Schritt auf.

Abschweifende Gedanken gehören beim Lernen zur Konzentration dazu, denn dein Gehirn denkt weiter, auch wenn du es nicht willst. Notiere den Gedanken in Stichworten auf deinem Gedanken-Zettel, einem zweiten leeren Zettel, und kehre zur Aufgabe zurück. Den ganzen Ablauf findest du unter wie kann ich mich besser konzentrieren.

Manche Ablenkungen sehen aus wie Arbeit: ein interessanter Link, eine Recherche-Tangente, eine vermeintlich produktive Idee. Sagen wir, du willst mitten im Kapitel etwas nachschlagen, das dein Block-Ziel nicht braucht. Auch das kommt auf den Gedanken-Zettel.

Den Faden zu verlieren ist etwas anderes: Du weißt nicht mehr, wo du warst, oder kannst dich nicht konzentrieren. Oder du hast einen Teil erledigt und weißt nicht, was als Nächstes kommt. Dann schreib den nächsten Mini-Schritt auf den Protokoll-Zettel, zum Beispiel „Teil (a) von Aufgabe 3 gelöst“, und führ ihn aus.

Feststecken ist kein Grund, den Block abzubrechen. Beschreib das Problem in einem Satz und schreib den kleinstmöglichen nächsten Schritt auf. Geht gar nichts mehr, wechsle zu einem anderen Aspekt der Aufgabe.

Wie bleibst du an langen Lerntagen konzentriert?

Hält ein Block, ist ein langer Lerntag einfach ein Stapel davon. Deine Energie schwankt im Tagesverlauf.

Deine Blöcke müssen also nicht alle gleich lang sein. Wähl jeden so, wie du den ersten gewählt hast. Dann halte den Stapel am Laufen:

  • Fächer an deine Energie anpassen: anspruchsvolle Fächer, wenn du Energie hast, leichtere, wenn sie nachlässt.
  • Schnell neu starten: lüften, Wasser nachfüllen, kurz bewegen, aufs Klo gehen, durchatmen. Dann Timer, Ziel, los.
  • Einen Protokoll-Zettel für den ganzen Tag nutzen: Schreib jedes neue Block-Ziel unter das letzte.
  • Echte Pausen machen: bewegen, frische Luft, Handy liegen lassen. Ein kurzer Blick wird schnell zu 15 Minuten Scrollen.
  • Aufhören, wenn deine Blöcke schlechter werden: Du brauchst länger, um reinzukommen, und der Protokoll-Zettel hilft nicht mehr.

Die Pausenlänge richtet sich nach der Blocklänge; lies dazu, wie lang Deep Work Pausen sein sollten. Schau auf Ergebnisse, nicht auf die Zahl der Blöcke. Ein Block zu wenig ist besser als einer zu viel, denn wer sich heute übernimmt, zahlt morgen dafür.

Ein langer Lerntag ist nur so gut wie jeder Block im Stapel. Wenn ein Block sitzt, kannst du ihn wiederholen, bis deine Ergebnisse dir sagen, dass Schluss ist.

FAQ

Wie konzentriere ich mich beim Lernen, wenn das Fach langweilig ist?

Ein Timer hilft dir, dich auf ein langweiliges Fach zu konzentrieren. Er sagt deinem Gehirn, dass die Arbeit ein Ende hat und bald vorbei ist, und das macht den Anfang leichter. Feste Zeitblöcke haben mir gezeigt: Aufgaben, die mir keinen Spaß machen, sind schneller erledigt, als ich denke.

Sollte ich beim Lernen Musik hören?

Meine Empfehlung fürs Lernen: Lass die Musik weg. Musik beansprucht geistige Kapazität, die du für die Aufgabe brauchst, auch wenn es sich nicht so anfühlt. Kannst du nicht verzichten, nimm instrumentale Musik ohne Gesang und ohne Wechsel, eine einzige Playlist auf Repeat.

Wie viele Stunden am Tag kann ich voll konzentriert lernen?

Beim Lernen wie bei jeder hochkonzentrierten Arbeit liegt die realistische Obergrenze bei vier bis sechs Stunden voller Konzentration pro Tag. Manche schaffen weniger, manche mehr. Das ist eine Frage von Training und Tagesform.