Du willst gleich anfangen und suchst eine Zahl für den Timer. Vielleicht hast du von 90 Minuten gehört oder von zwei bis vier Stunden und fragst dich, was stimmt. Oder dir kommt schon eine Stunde zu lang vor.
Hier erfährst du, wie lange eine Deep Work Session an einem normalen Tag dauern sollte. Du siehst auch, wann du länger oder kürzer arbeitest und was du tust, wenn der Timer klingelt.
Warum 45 Minuten der Standard sind
An einem Tag, an dem du dich fit, konzentriert und motiviert fühlst, stell den Timer auf 45 Minuten. Das ist die ideale Länge für einen Block. Ein Block ist eine feste Zeitspanne konzentrierter Arbeit an einer Aufgabe.
Diese Länge nutzt die Leistungsfähigkeit deines Gehirns voll aus, ohne dich stark zu ermüden. Mein Buch baut den ganzen Ablauf um einen Block von 45 Minuten herum auf.
Der Timer sagt deinem Gehirn auch, dass die Arbeit ein Ende hat. Das macht den Anfang leichter, besonders bei unangenehmen Aufgaben. Ohne Timer arbeitest du entweder zu kurz oder zu lang.
Und der Timer sorgt dafür, dass du Pausen machst. So schaffst du über den ganzen Tag mehr konzentrierte Arbeit.
Wo passen dann 90 Minuten hin?
Sind 90 Minuten die beste Länge für Deep Work?
Nicht für jeden Block. Neunzig Minuten sind für Tage mit maximaler Fitness und Motivation. An einem normalen guten Tag passen 45 Minuten besser als 60 oder 90.
Die Psychologen Ericsson, Krampe und Tesch-Römer (Psychological Review, 1993) untersuchten, wie Geiger üben. Eine Woche lang führten die Musiker ein Übungstagebuch. Ihre Einheiten dauerten im Schnitt 80 Minuten.
Die Autoren schreiben, dass Üben allein ohne Unterbrechung auf 1 bis 1,5 Stunden begrenzt war. Profi-Pianisten übten in einer zweiten Studie etwa 88 Minuten pro Einheit, was die Autoren für wahrscheinlich zu hoch halten. Das ist Üben von Musikern, keine Wissensarbeit.
Die Einheiten der besten Geiger waren nicht länger als die der anderen. Die Studie prüft nicht, welche Länge für deine Arbeit am besten ist. Sieh 90 Minuten also als Timer-Einstellung für deine besten Tage, nicht als Ziel.
Wie lange solltest du den Timer heute stellen?
An deinen besten Tagen und an allen anderen gilt: Stell den Timer so, wie es zu deinem Befinden gerade passt. Prüf also direkt vor jedem Block, wie du dich fühlst.
Die Länge deiner Deep Work Session folgt aus diesem Check, nicht aus einer festen Regel. Hier sind die fünf Längen, aus denen du wählst.
| Länge | Wähle sie, wenn |
|---|---|
| 90 Minuten | du maximal fit und motiviert bist |
| 45 Minuten | du fit, konzentriert und motiviert bist: ideal |
| 35 Minuten | du nicht ganz fit bist und sich 45 Minuten zu lang anfühlen |
| 25 Minuten | du heute unkonzentriert bist |
| 15 Minuten | du stark unmotiviert bist; das animiert zum Anfangen |
Bist du unsicher, stell eine kürzere Zeit ein. Wenn der Timer klingelt, kannst du immer weitermachen.
Selbst 15 Minuten sind besser, als den Block ausfallen zu lassen. Mehr dazu steht im Artikel Mindestdauer für Deep Work.
Der Check ist eine ehrliche Frage: Bin ich wach, und kann ich klar denken?
Bist du massiv müde, passt keine Länge. Mach dann einen Power Nap von 10 bis 20 Minuten oder verschieb den Block. Für solche Tage lies den Artikel Konzentrieren, wenn du müde bist.
Ist ein Deep Work Block 2–4 Stunden lang?
Nein. Selbst an deinem besten Tag ist die längste Timer-Einstellung in meinem Buch 90 Minuten. Ein Block kann länger laufen, wenn du im Flow bist, also ganz in der Arbeit aufgehst.
Zwei bis vier Stunden sind ein Arbeitsabschnitt aus mehreren Blöcken, mit einer Pause nach jedem.
Jeder Block bekommt seinen eigenen Timer und sein eigenes Ziel. Die Blöcke müssen nicht alle gleich lang sein.
Deine Energie schwankt im Lauf des Tages. Morgens stellst du vielleicht 45 Minuten ein, nachmittags nur noch 25.
Die vier Stunden, von denen du vielleicht gehört hast, sind eine Zahl für den ganzen Tag. Die besten Geiger in der Studie von 1993 übten allein 3,5 Stunden am Tag. Diese Summe verteilten sie auf mehrere Einheiten.
Derselbe Fachartikel nennt Trainingsstudien, die über vier Stunden Übung am Tag praktisch keinen Zusatznutzen fanden. Diese Grenze gilt für einen ganzen Tag. Über eine einzelne Einheit sagt sie nichts.
Mehr dazu steht im Artikel Belege für vier Stunden am Tag.
Plane lieber einen Block zu wenig als einen zu viel. Die Zahl der Blöcke erklärt der Artikel Wie viele Deep Work Sessions am Tag?. Die Summe erklärt der Artikel Wie viele Stunden Deep Work pro Tag?.
Was tust du, wenn der Timer klingelt?
Klingelt der Timer eines Blocks, prüf, ob die Arbeit fließt. Mach dann weiter oder hör auf.
Der Timer legt eine Länge fest, aber Flow kann sich darüber hinwegsetzen. Ein Block ist dazu da, etwas zu erledigen.
Schaust du ständig nach, wie viel Zeit noch bleibt, fließt die Arbeit nicht. Die Zeichen, dass ein Block fertig ist, findest du im Artikel Wann du eine Deep Work Session beenden solltest.
- Im Flow: Schalte den Timer aus und mach weiter, bis dein Gehirn eine Pause braucht.
- Nicht im Flow: Hör jetzt auf und mach nicht „nur noch kurz“ weiter. Dein Gehirn braucht die Pause, auch wenn du sie nicht spürst.
- In beiden Fällen: Mach eine echte Pause. Nach einem längeren Block machst du sie länger.
Nach 45 Minuten Arbeit dauert die Pause 15 Minuten, nach 90 Minuten 20 bis 30 Minuten. Stell auch für die Pause einen Timer. Die anderen Längen stehen im Artikel Wie lange sollten Deep Work Pausen sein?.
Schau dann auf dein Block-Ziel, also das Ergebnis, das du für diesen Block aufgeschrieben hast. Notiere ohne Urteil, ob du es ganz, teilweise oder gar nicht erreicht hast. Mit der Zeit zeigt dir dieser Check, was in einen Block passt.
Steckst du fest, bevor der Timer klingelt, beende den Block nicht. Such den nächsten Mini-Schritt, also die nächste kleine Sache, die du tun kannst. Schreib ihn auf deinen Protokoll-Zettel, den Zettel mit deinem Block-Ziel, und führ ihn dann aus.
Mini-Schritte, der Blick aufs Block-Ziel und eine echte Pause machen aus einem guten Block den nächsten. So entsteht ein Vormittag mit zwei bis vier fokussierten Stunden. So funktioniert's →
FAQ
Was empfiehlt Cal Newport für die Länge einer Deep Work Session?
Cal Newport, Autor von Deep Work, rät Studenten, 50 Minuten zu lernen und dann 10 Minuten Pause zu machen. 2016 erschien sein Beitrag „On Deep Breaks“.
Darin schreibt er: Nur wenige bleiben ohne Pause länger als etwa eine Stunde voll konzentriert. Für anderes Deep Work nennt der Beitrag keine Länge.
Wie lange sollte eine Deep Work Session ohne Pause laufen?
Eine Deep Work Session sollte ohne Pause laufen, bis sie endet. Geh vor dem Start auf die Toilette, damit du deine Arbeit nicht unterbrichst.
Kommt ein ablenkender Gedanke, notiere ihn auf einem Gedanken-Zettel. Das ist ein Zettel für solche Notizen. Dann arbeite weiter.
Ändert die Art der Aufgabe, wie lange eine Deep Work Session dauern sollte?
Dein Befinden heute legt die Länge einer Deep Work Session fest, und die Aufgabe kann sie verschieben. Bei kreativen Aufgaben wähle ich längere Blöcke, weil ich nicht aus dem Flow gerissen werden will. Bei Routineaufgaben wähle ich kürzere.
Erledige anspruchsvolle Aufgaben, wenn deine Energie hoch ist.
Zählt das Aufschreiben des Ziels zur Deep Work Session?
Schreibst du dein Ziel auf, zählt das zur Deep Work Session, denn der Timer läuft bereits. Du stellst den Timer und schreibst dann dein Block-Ziel auf. Das ist das Ergebnis, das du von diesem Block konzentrierter Arbeit willst.
Danach fängst du an zu arbeiten, ohne weitere Rituale.
