Du setzt dich an die Arbeit und kommst nicht rein, oder du driftest nach ein paar Minuten ab. Also suchst du, wie du dich besser konzentrieren kannst, und bekommst die nächste Liste mit Tipps. Vermutlich Tipps, die du längst kennst: Handy weg, meditieren, mehr schlafen, Pomodoro.

Dieser Artikel bringt diese Tipps in die Reihenfolge, die ihnen fehlt. Du erfährst, welchen Schritt du zuerst machst und wohin jeder andere Tipp in einem einzigen Arbeitsblock gehört. Und wie du zurückfindest, wenn deine Gedanken abschweifen.

Der Ablauf für einen Block konzentrierter Arbeit, Schritt für Schritt:

Warum dir mehr Tipps nicht helfen, dich besser zu konzentrieren

Die üblichen Konzentrationstipps sind meist richtig: Ablenkungen beseitigen, meditieren, eins nach dem anderen tun, Pausen machen, schlafen, bewegen, gut essen. Aber sie kommen ohne Rangfolge und alle auf einmal. Also weißt du nicht, womit du anfangen sollst.

Und dir fehlt nicht der eine Tipp. Schwer ist das Anfangen und die Entscheidung, was du tust. Dem Anfangen ist ein eigener Artikel gewidmet: warum sich Deep Work so schwer anfangen lässt.

Willst du zuerst die Ursachen kennen, lies warum du dich nicht konzentrieren kannst. Auch Konzentration mit ADHS hat einen eigenen Artikel. Hier geht es darum, was du in deiner nächsten Arbeitsstunde tust.

Das ist die Idee hinter diesem Artikel: ein Block, Schritt für Schritt vorbereitet. Und der erste Schritt dieses Blocks kommt noch vor jedem Tipp.

Was solltest du zuerst tun, um dich besser zu konzentrieren?

Prüfe zuerst deinen Zustand. Er kommt vor allen Schritten: Ohne geistige Fitness funktioniert kein Deep Work Block.

Bevor du also versuchst, dich zu konzentrieren, frag dich: Bin ich wach und kann ich klar denken? Sei ehrlich, denn die Antwort bestimmt deinen Block:

  • Fit: 45 oder 90 Minuten arbeiten, mit voller Kraft.
  • Nicht ganz fit: einen kürzeren Block wählen oder erst den Körper aktivieren.
  • Massiv müde: Power Nap von 10 bis 20 Minuten oder den Block verschieben.

Lerne deine Warnsignale kennen: denselben Satz dreimal lesen, ständig zum Handy greifen, ein Ziehen hinter den Augen. Wenn du deine Zeichen erkennst, kannst du ehrlich entscheiden, bevor du 45 Minuten verschwendest.

Bist du nicht ganz fit, arbeite statt 45 nur 35, 25 oder 15 Minuten. Oder bring erst deinen Körper in Bewegung.

Kaffee ist kein Ausweg, denn Koffein ist kein Ersatz für Schlaf. Es maskiert Müdigkeit, löst sie nicht.

Müde zu arbeiten kann schlimmer sein, als gar nicht zu arbeiten, weil du Fehler machst, die du morgen korrigieren musst. Ist Müdigkeit heute dein Problem, lies wie du dich konzentrierst, wenn du müde bist.

Wohin jeder Konzentrationstipp in einem Block gehört

Kennst du deinen Zustand, fallen die üblichen Tipps an ihren Platz. Die meisten stimmen, aber jeder gehört an einen bestimmten Moment in einem Block. Hier die üblichen Wege zu besserer Konzentration in meiner Reihenfolge: erst Körper, dann Umgebung, dann Werkzeuge, dann mentale Vorbereitung.

Üblicher TippWann im BlockWas du tust
Ernährung, Wasser, KoffeinDavorLeicht essen, ein Glas Wasser trinken, Kaffee testen statt raten
BewegungDavor, direkt vor dem HinsetzenEin bis zwei Minuten Hampelmänner oder Kniebeugen
Ablenkungen beseitigenDavorHandy aus und in einen anderen Raum; Tür und Fenster zu
ArbeitsplatzDavorSchreibtisch frei; unnötige Programme zu; Nicht stören an
Meditation oder AchtsamkeitDavor, letzter SchrittBox Breathing, 1–2 Minuten: ein, halten, aus, halten, je bis 4 zählen
Pomodoro oder TimerStartTimerlänge nach deinem Zustand, 15 bis 90 Minuten
Eine Sache zur ZeitStartEin Block-Ziel auf Papier, formuliert als erreichter Zustand
PausenPauseBewegen, frische Luft, Handy liegen lassen

Die Reihenfolge ist ein Vorschlag, keine Regel. Es sieht nach viel aus, aber nach ein paar Durchgängen dauert die ganze Vorbereitung nur wenige Minuten. Ablenkungen haben einen eigenen Leitfaden: wie du Ablenkungen bei Deep Work vermeidest.

Wie konzentrierst du dich wieder, wenn deine Gedanken abschweifen?

Auch in einem gut vorbereiteten Block schweifen deine Gedanken ab, und das ist normal. Kämpf nicht im Kopf dagegen an, bring es aufs Papier. Dein Gehirn hat Angst, solche Gedanken zu vergessen, und sobald ein Gedanke auf Papier ist, gibt es Ruhe.

  1. Ertappen: Bemerke, dass du einem Gedanken nachhängst, der nichts mit der Aufgabe zu tun hat.
  2. Aufschreiben: Notiere ihn in Stichworten auf dem Gedanken-Zettel, einem zweiten leeren Zettel für abschweifende Gedanken.
  3. Zurückkehren: Blick auf den Protokoll-Zettel, den Zettel mit deinem Block-Ziel, und weitermachen.

Schritt 1 ist der schwierigste: Dich selbst beim Abschweifen zu beobachten, nennt sich Meta-Kognition und erfordert Übung. Erst als ich Gedanken aufgeschrieben habe, habe ich gemerkt, wie laut es in meinem Kopf ist. Regelmäßiges Meditieren, am Anfang geführt per App, hat mir geholfen, das zu trainieren.

Verlierst du in der Aufgabe den Faden, schreib den nächsten Mini-Schritt auf den Protokoll-Zettel und führe ihn aus. Du kannst keinen Schritt aufschreiben, ohne zu wissen, was er ist. Also bringt dich das Aufschreiben zurück.

Feststecken ist kein Grund, den Block abzubrechen. Geht gar nichts mehr, wechsle zu einem anderen Aspekt derselben Aufgabe. Einen ganzen Block konzentriert zu bleiben, ist ein eigenes Thema: wie du konzentriert bleibst.

Helfen Kaffee, Musik und Meditation beim Konzentrieren?

Wenn Konzentration schwerfällt, ist es verlockend, nach Hilfsmitteln zu greifen, aber Meditation gehört als Training außerhalb des Blocks. Kaffee und Musik können sich wie Fokus anfühlen, ohne Fokus zu sein. Miss sie daran, was du im Block erledigst.

  • Meditation: In einer Studie (MacLean und Kollegen, Psychological Science, 2010) verbesserte intensives Training die anhaltende Aufmerksamkeit. Es lief etwa fünf Stunden täglich über drei Monate.
  • Kaffee: Koffein erzeugt Energie und Antrieb, aber verwechsle das nicht mit Fokus. Ich spüre einen Motivationsschub, werde aber fahrig, also verzichte ich.
  • Musik: Weglassen. Musik fühlt sich an wie Fokus-Hilfe, ist aber meist das Gegenteil. Sie macht die Arbeit angenehmer, und das verwechseln wir mit produktiver.

Diese Studie hat Stunden pro Tag getestet, nicht nur ein paar Minuten. Was eine kurze tägliche Übung bewirkt, zeigt sie also nicht. Ich empfehle Meditation als Übung außerhalb der Arbeit, nicht als Pausenaktivität, weil sie Konzentration erfordert.

Beim Kaffee gilt: nicht raten, sondern testen. Mach einen Block mit und einen ohne Kaffee, an zwei verschiedenen Tagen. Vergleiche nicht das Gefühl, sondern das tatsächliche Arbeitsergebnis.

Willst du trotzdem Musik, mach denselben Test. Kannst du nicht verzichten, nimm eine einzige instrumentale Playlist auf Repeat. Mehr dazu im Artikel, ob Musik beim Konzentrieren hilft.

So ein Test braucht Blöcke, die du vergleichen kannst. Jeder hat dieselben Schritte, ein Ziel auf dem Zettel und einen Timer. Dann zeigt dein eigenes Arbeitsergebnis, was deiner Konzentration wirklich hilft.

FAQ

Wie lange dauert es, bis du dich besser konzentrieren kannst?

Erwarte nicht, dass du dich nach einem Versuch besser konzentrierst. Deine ersten Blöcke werden nicht perfekt sein: Du wirst Schritte vergessen und dich trotzdem ablenken lassen.

Es wird besser mit jedem Block, und nach ein paar Wochen ist der Ablauf Routine. Mehr dazu, ob sich Konzentration verbessern lässt.

Schadet es der Konzentration, wenn das Handy in der Nähe liegt?

Ward, Duke, Gneezy und Bos haben das in „Brain Drain“ (2017) getestet. Allein die Anwesenheit des eigenen Smartphones verringerte die verfügbare geistige Kapazität, selbst wenn die Leute nicht draufschauten. Am stärksten traf es die, die am meisten vom Handy abhängen, daher der Handy-Schritt in der Tabelle oben.

Was tun, wenn die Aufgabe zu groß wirkt, um dich zu konzentrieren?

Teile eine große Aufgabe auf Papier auf, bevor du dich konzentrierst. Schreib zuerst das Endziel auf, dann das Block-Ziel: das Ergebnis, das du in den nächsten 45 Minuten erreichen willst.

Mach das Block-Ziel ambitioniert, aber machbar. Zu groß heißt Überforderung, und Überforderung heißt Blockade. Zu klein heißt kein Antrieb.