Du hast von Deep Work gehört und willst wissen, ob es wirklich etwas taugt oder nur ein Trend ist. Oder du hast es ausprobiert, und es hat bei dir nicht funktioniert.
Dieser Artikel trennt, was belegt ist, von dem, was nur behauptet wird. Er zeigt, was die Studien gemessen haben und wie du einen Block beurteilst.
Außerdem erfährst du, warum Deep Work bei manchen scheitert. Danach bekommst du einen Test, den du selbst machen kannst.
Gibt es Deep Work wirklich?
Ja, Deep Work gibt es wirklich als Arbeitsweise. Du kannst dich heute hinsetzen und sie anwenden.
Cal Newport ist der Autor von Deep Work. Er nennt es berufliche Arbeit in ablenkungsfreier Konzentration, die deinen Kopf an seine Grenze bringt.
Das ist kurz gesagt, was Deep Work ist. Newport stellt aber auch eine größere Behauptung auf.
Die Fähigkeit zu Deep Work wird immer seltener. Und das genau zu der Zeit, in der sie in unserer Wirtschaft immer wertvoller wird.
Cal Newport, Deep Work (übersetzt)
Für mich ist dieser Satz ein Argument über die Wirtschaft. Er ist keine Messung.
Man kennt ihn als die Deep-Work-Hypothese. Du musst ihr nicht zustimmen, um die Arbeitsweise auszuprobieren.
Die Frage hat also zwei Teile. Erstens: Die Arbeitsweise gibt es wirklich. Zweitens: Bringt sie dir bessere Ergebnisse?
Dieser Teil ist noch offen. Um ihn geht es im Rest dieses Artikels.
Ist Deep Work wissenschaftlich fundiert?
Zum Teil ja. Manche Gründe für Deep Work stützen sich auf Studien, andere auf Argumente. Die Studien messen, was Aufgabenwechsel und Unterbrechungen kosten und wie viele Stunden harter Übung Menschen schaffen.
Zwei Teile stützen sich auf Argumente: die Behauptung „selten und wertvoll“ aus dem Abschnitt davor und die Methode selbst. Gemeint sind geschützte Blöcke statt eines normalen, zerstückelten Tages. Ein Block ist eine feste Zeitspanne mit konzentrierter Arbeit an einem Ziel.
Keine der Studien unten vergleicht diese beiden Arten von Tag. An dieser Lücke beginnen die Grenzen der Deep-Work-Idee. Wenn du also nach Forschung zu Deep Work suchst, prüf, was jede Studie gemessen hat.
Auch mein eigenes Buch ist keine Forschung. Ich habe es als Werkzeug geschrieben, nicht als Theorie-Buch. Was du darin liest, nutze ich jeden Tag.
Woran erkennst du, ob Deep Work funktioniert?
Ein Werkzeug beurteilst du nach dem, was es hervorbringt. Bei Deep Work vergleichst du, was ein Block gebracht hat, mit dem Ergebnis, das du wolltest.
Ein starkes Gefühl kann dich täuschen. Kaffee zeigt, wie leicht das passiert.
Beurteile einen Block so wie Kaffee. Vergleiche nicht das Gefühl, sondern das tatsächliche Arbeitsergebnis.
Dein Maßstab ist das Block-Ziel, also das Ergebnis, das du in einem Block erreichen willst. Du schreibst es auf deinen Protokoll-Zettel. Das ist ein einfaches Blatt Papier für dein Ziel und deine Arbeitsschritte.
Ohne Ziel arbeitest du irgendwie. Mit Ziel arbeitest du irgendwohin. Wie du das auf eine ganze Woche überträgst, zeigt der Artikel Stunden oder Meilensteine tracken?
Was zeigen Studien zur Wirkung von ununterbrochener Arbeit?
Studien zur Wirkung von ununterbrochener Arbeit zeigen, dass Wechsel und Unterbrechungen etwas kosten. Die Kosten sind aber nicht immer die, die du erwarten würdest. Hier sind vier Studien und was jede gemessen hat.
| Studie | Was sie untersuchte | Was sie fand |
|---|---|---|
| Leroy (2009) | Zwei Experimente zum Wechsel weg von einer unfertigen Aufgabe | Die Aufmerksamkeit bleibt bei der alten Aufgabe; die nächste Aufgabe gelingt schlechter |
| Mark, Gudith und Klocke (2008) | Eine E-Mail-Aufgabe mit Unterbrechungen, 48 Personen | Schneller fertig, gleiche Qualität, aber mehr Stress |
| Gloria Mark, Interview mit Gallup (2006) | 36 Beschäftigte, bei ihrer Arbeit begleitet | Unterbrochene Arbeit wurde im Schnitt nach 23 Minuten und 15 Sekunden wieder aufgenommen |
| Ericsson, Krampe und Tesch-Römer (1993) | Übungstagebücher von Geigenstudenten | Die zwei besten Gruppen übten 3,5 Stunden am Tag allein |
In der E-Mail-Studie waren unterbrochene Personen schneller fertig, ohne Unterschied bei der Qualität. Der Preis war mehr Stress, Frust, Zeitdruck und Anstrengung. Die E-Mail-Aufgabe war im Labor nachgestellt und testete keine geplanten Blöcke mit konzentrierter Arbeit.
Die 23 Minuten sind die Zeit, bis Menschen am selben Tag zur unterbrochenen Arbeit zurückkehrten. Das galt für 81,9 Prozent der Fälle, mit etwa zwei anderen Aufgaben dazwischen.
Die Zahl zeigt nicht, wann die Konzentration zurückkommt. Mehr dazu steht im Artikel über die Kosten von Aufgabenwechseln.
Die Zahlen zu den Geigern stammen aus dem Musikunterricht, und bei Profi-Pianisten fanden die Autoren etwa vier Stunden. Die Autoren sagen nur, dass es vielleicht eine allgemeinere Grenze gibt. Mehr dazu findest du im Artikel Belege für die 4-Stunden-Grenze.
Warum Deep Work bei manchen nicht funktioniert
Außerhalb des Labors gilt: Wenn Deep Work bei dir nicht funktioniert, prüf erst deinen Block. Gib die Idee nicht vorher auf.
Vier Dinge können einen Block kaputt machen. Ein fünftes kommt schon vor dem Block.
Tiefere Ursachen erklärt der Artikel Warum fällt mir Deep Work schwer?
- Dein Smartphone liegt in Sichtweite: Es ist darauf optimiert, deine Aufmerksamkeit zu fangen. Schalte es aus und bring es in einen anderen Raum.
- Dein Block-Ziel ist zu groß: Zu groß führt zu Überforderung, dann zu Blockade. Setze es ambitioniert, aber machbar.
- Dein Zeitplan ist zu starr: Blöcke müssen nicht genau um 9:00 oder 10:00 Uhr starten. Manche mögen ein festes Raster, andere setzt es unter Druck.
- Du erwartest perfekte Blöcke: Am Anfang wirst du Schritte vergessen und dich trotzdem ablenken lassen. Das ist normal und wird mit jedem Block besser.
Das fünfte Ding vor dem Block ist dein Zustand: Wie ausgeruht und wach bist du? Müdes Arbeiten kann schlimmer sein als gar nicht zu arbeiten. Du machst Fehler und produzierst Ergebnisse, die du nochmal machen darfst.
Bist du nicht ganz fit, bring zuerst deinen Körper in Bewegung. Bist du massiv müde, mach einen Power Nap von 10 bis 20 Minuten oder verschieb den Block.
Helfen Deep Work Blöcke, oder sind sie nur ein weiterer Produktivitätsmythos?
Bist du ausgeruht, helfen Deep Work Blöcke, wenn sie ein sichtbares Ergebnis bringen. Um das zu prüfen, brauchst du keine Studie. Ein paar eigene Blöcke reichen.
Der Test unten nutzt ein paar Schritte aus meinem Buch. Den vollständigen Ablauf zeigt der Artikel Deep Work lernen.
- Wähle eine Aufgabe, die deine volle Aufmerksamkeit braucht.
- Stell einen Timer, damit der Block ein klares Ende hat.
- Schreib das Block-Ziel als fertigen Zustand auf, zum Beispiel „Erster Entwurf der Gliederung ist erstellt“.
- Arbeite, bis der Timer klingelt. Wenn du ganz im Flow bist, arbeite weiter.
- Gleiche das Ergebnis mit deinem Block-Ziel ab: erreicht, teilweise oder gar nicht?
Mach ein paar Blöcke wie diesen. Schau dir dann am Ende des Tages deinen Protokoll-Zettel an.
Ein verfehltes Block-Ziel zeigt dir, was du im nächsten Block ändern solltest. Mit der Zeit lernst du, was in einem Block realistisch ist.
Für mich gilt: Zeigt dein Zettel fertige Ergebnisse, die du vorher nicht hattest, dann funktioniert Deep Work für dich.
Mach den Test also mit Blöcken, die du gut aufgesetzt hast. Dann zeigt dein Zettel, ob du in drei fokussierten Blöcken mehr schaffst als in acht Stunden halbkonzentrierter Arbeit. So funktioniert's →
FAQ
Kann man es mit Deep Work übertreiben?
Ja, Deep Work ohne echte Pausen laugt dich aus, und die folgenden Blöcke werden schlechter. Sinkt die Qualität deiner Blöcke, mach Feierabend, auch wenn es erst drei Stunden waren. Ein Zeichen dafür ist, dass du immer länger brauchst, um in die Arbeit reinzukommen.
Ist Deep Work dasselbe wie lange Arbeitszeiten?
Nein, Deep Work bedeutet ablenkungsfreie Konzentration auf anspruchsvolle Arbeit. Die Stunden am Schreibtisch sind nicht der Maßstab. In meinem Buch sind drei fokussierte 45-Minuten-Blöcke pro Tag mehr wert als acht Stunden halbkonzentriertes Arbeiten.
Ignoriert Deep Work, wie du dich fühlst?
Nein, bei Deep Work entscheidet deine Verfassung, wie lange jeder Block mit konzentrierter Arbeit dauert. An einem stark unmotivierten Tag bringt dich ein 15-Minuten-Block trotzdem ins Anfangen, und das ist besser als nichts. Bist du wach und konzentriert, sind 45 Minuten ideal.
