Du hast morgen früh einen freien Block und eine To-do-Liste vor dir. Ein Bericht, ein volles Postfach, ein Code-Review, ein Meeting zum Vorbereiten, ein Kapitel, um das du dich drückst. Was davon ist Deep Work, und was verdient den Block?

Hier bekommst du Deep Work Beispiele, sortiert nach dem, was sie hervorbringen. Dazu einen Test mit zwei Fragen für deine eigenen Aufgaben und klare Antworten für die Grenzfälle. Am Ende weißt du, was in deinen nächsten Block gehört.

Der Ablauf für einen Block konzentrierter Arbeit, Schritt für Schritt:

Was zählt als Deep Work?

Deep Work ist Arbeit, die deine volle Konzentration und dein geschultes Können braucht und mit etwas Neuem endet. Cal Newport hat schon 2012 in einem Blogartikel eine Definition von Deep Work gegeben:

„Geistig anspruchsvolle Tätigkeiten, die unsere Ausbildung nutzen, um seltene und wertvolle Ergebnisse zu schaffen.“ (übersetzt)

Cal Newport, „Knowledge Workers are Bad at Working (and Here’s What to Do About It…)“, 2012

Im selben Artikel beschreibt er das Gegenteil, Shallow Work. Das sind für ihn Aufgaben, die fast jeder mit ein wenig Einarbeitung erledigen könnte. Seine Beispiele: E-Mails beantworten, logistische Planung, an Social Media herumbasteln.

Es müssen also zwei Dinge zusammenkommen. Die Aufgabe muss anspruchsvoll sein und ein neues Ergebnis bringen, und du musst ohne Unterbrechung daran arbeiten. Flow ist fragil: Einmal raus, kostet es dich Minuten, wieder in Deep Work zu kommen.

Schwer oder lang reicht nicht. Mühsame Arbeit ohne Nachdenken bleibt flach, egal wie viele Stunden sie frisst.

Was sind Beispiele für Deep Work?

Deep Work Beispiele lassen sich in wenige Aufgabenarten einteilen. Jede endet mit einem neuen Ergebnis, das du vor dem Start benennen kannst. Sortiere also nach dem, was die Aufgabe hervorbringt, nicht nach deiner Berufsbezeichnung.

AufgabenartBeispielBlock-Ziel (als Ergebnis formuliert)
SchreibenEinen Artikel, Bericht oder ein Kapitel entwerfen„Erster Entwurf der Gliederung ist erstellt“
CodeEinen schwierigen Bug beheben, eine Architektur entwerfenz. B. „Ursache des Bugs ist gefunden“
AnalyseAus Daten eine Schlussfolgerung ziehenz. B. „Drei Erkenntnisse sind aufgeschrieben“
StrategieEinen Launch oder ein Projekt planenz. B. „Plan für den Launch ist entworfen“
DesignEin Konzept oder Layout entwickelnz. B. „Zwei Layout-Varianten sind skizziert“
LernenEin schweres Kapitel oder Übungsblatt durcharbeitenz. B. „Übungsblatt 4 ist gelöst“

Dieselben Aufgabenarten tauchen in jedem Wissensberuf auf, ob angestellt, selbständig oder im Studium (siehe Deep Work für Studenten). Beispiele für bestimmte Berufe bekommen eigene Artikel.

Die letzte Spalte folgt einer Regel: Schreib das Block-Ziel als erreichten Zustand, nie als Tätigkeit. Also „ist erstellt“, nicht „erstellen“. Das Ziel zum Schreiben ist mein Beispiel aus Deep Work Block, die anderen folgen derselben Regel.

Woran erkennst du, ob eine Aufgabe Deep Work ist?

Du erkennst es an zwei Fragen zur Aufgabe und einer Bedingung dafür, wie du daran arbeitest.

  • Können: Braucht die Aufgabe Fähigkeiten, die die meisten Menschen nicht haben?
  • Ergebnis: Endet der Block mit etwas Neuem, das es vorher nicht gab? Nicht nur mit einem abgearbeiteten Stapel?
  • Bedingung: Zweimal Ja ergibt eine tiefe Aufgabe. Deep Work wird daraus erst, wenn du ihr einen Block ohne Unterbrechung gibst.

Ist deine Antwort auf die Ergebnisfrage vage, ist die Aufgabe noch nicht startklar. Schreib zuerst das Block-Ziel auf.

Zweimal Ja? Dann bekommt die Aufgabe deine beste Energie. Leichtere Aufgaben warten, bis deine Energie nachlässt.

Ein Nein macht eine Aufgabe nicht nutzlos.

Sind E-Mails, Meetings oder Lesen Deep Work?

Meistens nicht. Ein Block für dein Postfach macht E-Mails nicht zu Deep Work. Auch der Name der Aufgabe entscheidet nicht, sondern die beiden Fragen.

Manchmal ist eine Aufgabe, die du als flach abgelegt hast, doch keine.

AufgabeMeistensTief, wenn …
E-MailFlach: antworten, sortieren, weiterleitendu ein Angebot schreibst, das dein ganzes Fachwissen braucht
MeetingFlach: Status, Abstimmungselten; die Vorbereitung davor kann ein tiefer Block sein
Code-ReviewFlach bei kleinen Änderungendu ein Design prüfst, das dein ganzes Fachwissen braucht
LesenFlach beim Überfliegen oder Stöberndu einen schweren Text durcharbeitest und Schlüsse aufschreibst
PlanenFlach: Logistik, Terminedu eine Strategie oder ein Projekt von Grund auf planst

Die meisten Aufgaben in der Spalte „Meistens“ fallen bei der Ergebnisfrage durch. Du arbeitest einen Stapel ab, du schaffst nichts Neues. Erledigt werden müssen sie trotzdem, nur nicht in deinen besten Stunden.

Hast du deine tiefe Aufgabe gefunden, folgt die nächste Frage: Wie sieht die Arbeit daran aus?

Wie sieht Deep Work in der Praxis aus?

In der Praxis ist Deep Work selten eine Woche in einer Hütte. Es ist ein Block an deinem Schreibtisch mit einem Ziel auf Papier, auch wenn die berühmten Beispiele etwas anderes nahelegen.

Bill Gates’ „Think Week“ war laut The Seattle Times (2005) zweimal im Jahr eine Woche Rückzug. Er verbrachte sie in einem Häuschen am Wasser. Dort las er Hunderte Papiere von Microsoft-Mitarbeitern.

J.K. Rowling beendete Harry Potter und die Heiligtümer des Todes am 11. Januar 2007 im Balmoral Hotel in Edinburgh (The Scotsman, 2007).

Gute Geschichten, aber an einem normalen Dienstag kannst du keine davon nachmachen. Nachmachen kannst du einen einzelnen Block: Triff die Entscheidung zur Musik, stell den Timer, schreib das Ziel auf. Das Ziel braucht bis zu fünf Schritte:

  1. Endziel aufschreiben, als Zustand, der bereits erreicht ist: „Artikel ist veröffentlicht“.
  2. Zwischenziel aufschreiben (optional): „Artikel ist fertig geschrieben“.
  3. Block-Ziel aufschreiben: „Erster Entwurf der Gliederung ist erstellt“.
  4. Nächste Handlung aufschreiben (optional): „Dokument öffnen und drei Stichpunkte für die Gliederung notieren“.
  5. Anfangen.

Von außen sieht Deep Work unspektakulär aus: ein Mensch, ein Blatt Papier, ein Timer. Sichtbar ist das Ergebnis am Ende.

Schau auf das Ergebnis, nicht auf das Etikett

Zurück zur To-do-Liste vom Anfang. Der Bericht, das Code-Review eines neuen Designs und das Kapitel, um das du dich drückst, bestehen wahrscheinlich beide Fragen. Das Postfach wartet, bis deine Energie nachlässt.

Entscheidend ist, dass du weißt, welches Ergebnis der Block bringen soll. Ob die Aufgabe offiziell als Deep Work gilt, ist zweitrangig. Kannst du das Ergebnis nicht benennen, bist du noch nicht startklar.

Zähl nicht die Blöcke, schau auf die Ergebnisse. Zwei Blöcke mit guten Ergebnissen sind besser als fünf Blöcke, in denen du dich nur durchgequält hast. Das ist mein Maßstab für meine eigene Arbeit: Deep Work Block habe ich in drei Tagen geschrieben.

Welche tiefe Aufgabe es bei dir auch wird, sie beginnt immer gleich: mit einem Block und einem aufgeschriebenen Ziel. Mach morgen einen solchen Block, und am Ende des Tages steht ein Ergebnis.

FAQ

Wie lange dauert eine Deep-Work-Session?

Ein Deep Work Block dauert 15 bis 90 Minuten, je nachdem, wie fit du an dem Tag bist. 45 Minuten sind ideal, wenn du fit und konzentriert bist. Bist du im Flow, wenn der Timer klingelt, arbeite weiter und hör auf, wenn dein Gehirn eine Pause braucht.

Wie viele Stunden Deep Work pro Tag sind realistisch?

Die realistische Obergrenze für hochkonzentrierte Arbeit liegt bei vier bis sechs Stunden pro Tag. Ericsson et al. (1993) nennen Tageswerte für gezieltes Üben, etwa vier Stunden ohne Zusatznutzen in älteren Trainingsstudien. Das sind keine Messungen von Deep Work.

Kann Deep Work langweilig oder unangenehm sein?

Ja, große oder unangenehme Aufgaben gehören zu Deep Work, und genau dort hilft der Timer am meisten. Er sagt deinem Gehirn, dass die Arbeit ein Ende hat. Läuft der Timer, bin ich nicht ewig im Unbehagen gefangen.