Du schaust auf die Liste für morgen, und alles darauf fühlt sich nach Arbeit an. Was davon ist tief, und was kann warten?

Hier bekommst du die Grenze zwischen beiden und den Grund, warum Shallow Work nicht der Feind ist. Du erfährst auch, was das echte Gegenteil von Deep Work ist. Und wo Shallow Work in einem Tag aus Blöcken ihren Platz hat.

Was ist der Unterschied zwischen Deep Work und Shallow Work?

Cal Newport hat die Grenze 2012 in einem Blogartikel gezogen. Der Artikel heißt „Knowledge Workers are Bad at Working (and Here’s What to Do About It…)“.

Deep Work sind dort, übersetzt, geistig anspruchsvolle Tätigkeiten, die dein Können nutzen, um seltene und wertvolle Ergebnisse zu schaffen. Shallow Work sind Aufgaben, die fast jeder mit ein wenig Einarbeitung erledigen könnte.

Deep WorkShallow Work
Was sie verlangtDeine volle Konzentration und dein geschultes KönnenWenig Nachdenken: Logistik, Routine, Abstimmung
Wer sie machen könnteSchwer abzugeben; sie braucht dein KönnenFast jeder, mit ein wenig Einarbeitung (Newport, 2012)
UnterbrechungenZerstören sie: Flow ist zerbrechlichIn einer E-Mail-Studie: gleiche Qualität, mehr Stress (Mark et al., 2008)
Was sie hinterlässtEtwas Neues: einen Entwurf, eine Lösung, eine AnalyseLaufenden Betrieb: Antworten, Buchungen, Updates
BeispieleEin Kapitel entwerfen, einen kniffligen Bug beheben, Daten analysierenE-Mails beantworten, logistische Planung (Newport, 2012)
Wann am TagWenn du Energie hastWenn die Energie nachlässt

Das sind Beispiele für Deep Work und Shallow Work auf einen Blick. E-Mail, Newports eigenes Beispiel für Shallow Work, wurde sogar unter Unterbrechungen getestet.

Bei Mark, Gudith und Klocke (2008) waren unterbrochene Teilnehmer mit einer E-Mail-Aufgabe schneller fertig, bei gleicher Qualität. Sie berichteten aber mehr Stress, Frust, Zeitdruck und Anstrengung.

Dieser Befund betrifft E-Mails, nicht Deep Work. Mehr dazu: was Shallow Work ist und diese Beispiele für Deep Work und Shallow Work.

Ist Shallow Work schlecht?

Wenn Shallow Work so wenig von dir verlangt, ist sie dann das Problem? Nein: Shallow Work hält den Betrieb am Laufen, und jemand muss sie erledigen. Der Schaden beginnt, wenn sie die Stunden belegt, die deine schwierigste Aufgabe braucht.

So sahen meine Tage vor den Blöcken aus.

Wenn du dich in meiner Geschichte wiedererkennst: Dir fehlt keine Disziplin. Dir fehlt ein Ablauf.

Welche Stunden du vor Shallow Work schützt, zählt mehr als die Menge davon. Drei fokussierte 45-Minuten-Blöcke pro Tag sind mehr wert als acht Stunden halbkonzentriertes Arbeiten. Genau dort verläuft auch die Grenze bei Deep Work vs. Busy Work.

Was ist das Gegenteil von Deep Work?

Wenn Shallow Work nicht der Feind ist, was dann? Die übliche Antwort auf das Gegenteil von Deep Work lautet Shallow Work, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Deep Work hat zwei Gegenteile: Shallow Work, eine Art von Aufgabe, und Ablenkung, die jede Aufgabe treffen kann.

  • Shallow Work: Aufgaben, die wenig Nachdenken brauchen, etwa E-Mails beantworten oder logistische Planung (Newport, 2012). Nötig, nur nicht während deiner tiefen Aufgabe.
  • Ablenkung von außen: alles, was dich von der Aufgabe wegzieht, vom Smartphone bis zu offenen Tabs. 30 offene Tabs sind 30 offene Gedanken.
  • Ablenkung von innen: ein interessanter Link, eine Recherche-Tangente, eine vermeintlich produktive Idee. Fühlt sich an wie Arbeit, gehört aber nicht zur aktuellen Aufgabe.

Shallow Work ist echte Arbeit und muss irgendwo stattfinden. Ob Deep Work und Shallow Work die einzigen Arten von Arbeit sind, ist eine eigene Frage. Ablenkung dagegen hat in keinem Block etwas verloren, ob tief oder flach.

Deshalb eliminiere ich alle Störungen und Ablenkungen, bevor ein Block beginnt. Was trotzdem durchrutscht, kommt auf den Gedanken-Zettel: ein Blatt Papier neben mir, auf dem ich lose Gedanken parke.

Gibt es ein richtiges Verhältnis von Deep Work zu Shallow Work?

Ist die Ablenkung draußen, braucht Shallow Work trotzdem ihren Anteil am Tag. Statt einer Prozentzahl nutzt du drei Dinge: eine Obergrenze, deine Energie und die Qualität deiner Blöcke. Die realistische Obergrenze für hochkonzentrierte Arbeit liegt bei vier bis sechs Stunden pro Tag.

An guten Tagen schaffe ich fünf bis sechs Stunden hochkonzentrierte Arbeit, verteilt auf mehrere Blöcke unterschiedlicher Länge. An schwachen Tagen sind es drei.

Dann passt du die Aufgabe an deine Energie an: anspruchsvolle Aufgaben, wenn du Energie hast, leichtere, wenn sie nachlässt. Shallow Work braucht wenig Nachdenken, also passt sie in die Stunden, in denen die Energie nachlässt. Energie auf eine leichte Aufgabe zu verschwenden ist genauso ineffizient wie eine schwere Aufgabe ohne Energie anzugehen.

Angenommen, du hattest heute vier tiefe Stunden und etwa eine Stunde Shallow Work. Reicht das? Das Signal, wann du eine Deep-Work-Session beenden solltest, beantwortet es.

Wenn die Qualität deiner Blöcke spürbar sinkt, ist Feierabend. Auch wenn es erst drei Stunden waren. Drei gute Stunden sind besser als fünf schlechte.

Wie hältst du Shallow Work aus deinen Deep Work Blöcken heraus?

Zu wissen, wohin Shallow Work gehört, ist die halbe Arbeit. Die andere Hälfte: sie aus deinen Blöcken heraushalten, also vor dem Block aussperren, im Block parken, danach erledigen. In der Reihenfolge eines Blocks sind das sechs Schritte.

  1. Sag den Menschen, die dich regelmäßig kontaktieren, wann du nicht erreichbar bist.
  2. Schließ E-Mail, Slack und Social Media, bevor du anfängst. Sie sind die größten Aufmerksamkeitsräuber.
  3. Passe die Länge des Blocks an die Aufgabe an. Bei kreativen Aufgaben wähle ich längere Blöcke, bei Routineaufgaben kürzere.
  4. Schreib jede flache Aufgabe, die auftaucht, auf den Gedanken-Zettel und kehr dann zur Aufgabe zurück.
  5. Halte E-Mails, Nachrichten und Anrufe aus deinen Pausen heraus. Sie ziehen dich gedanklich in andere Angelegenheiten.
  6. Geh am Ende des Tages den Gedanken-Zettel durch. Überführe jeden Punkt, erledige ihn oder streiche ihn.

Schritt 1 kann schwerfallen. Lehnst du die dringende flache Aufgabe eines anderen ab, fürchtest du vielleicht, nicht als Teamplayer zu gelten.

Ein schlichter Satz für dein Umfeld hilft: „Ich bin die nächsten 45 Minuten nicht ansprechbar, außer es brennt.“

Wenn du weitergehen willst, lies, was Drain the Shallows bedeutet und wie du Deep Work einplanst.

Die flachen Aufgaben finden immer ihren Weg in deinen Tag. Der Block für deine schwierigste Aufgabe schützt sich nicht selbst. Richte ihn richtig ein, dann sind drei fokussierte Blöcke mehr wert als acht halbkonzentrierte Stunden.

FAQ

Kann dieselbe Aufgabe für den einen Deep Work und für den anderen Shallow Work sein?

Ja, denn ob eine Aufgabe Deep Work oder Shallow Work ist, hängt davon ab, was sie von dir verlangt. Was du zehnmal gemacht hast, braucht vielleicht wenig Nachdenken, während es für jemanden, der es nie gemacht hat, schwer ist. Deshalb lohnt es sich, Deep-Work-Aufgaben zu erkennen.

Ist das Lesen von Fachartikeln Deep Work oder Shallow Work?

Das hängt davon ab, wie du liest. Sich durch die Literatur klicken, Abstracts lesen und Artikel überfliegen ist eher Shallow Work. Einen Methodenteil genau lesen und selbst nachvollziehen ist Deep Work, selbst beim gleichen Artikel.

Kannst du Deep Work machen, wenn dein Job vor allem aus Shallow Work besteht?

Ja, wenn du klein anfängst, auch in einem Job mit viel Shallow Work. Die kleinste Einheit von Deep Work ist kein freier Tag, sondern ein einzelner Block konzentrierter Arbeit. Wähl die Länge, die sich heute noch machbar anfühlt, und starte im Zweifel lieber kürzer.