Du bist dem Begriff begegnet, und du kennst die Tage, die er beschreibt. Sie sind voller Aktivität, aber kaum etwas ist wirklich fertig. Bevor du deine Tage um Deep Work herum baust, willst du wissen, ob sich der Aufwand lohnt.

Hier bekommst du den einfachen Grund, warum Deep Work zählt, und was es dir an einem normalen Arbeitstag bringt. Du siehst auch, welche großen Behauptungen darüber halten. Und du siehst, ob es auch dann zählt, wenn dein Job voller Unterbrechungen ist.

Der Ablauf für einen Block konzentrierter Arbeit, Schritt für Schritt:

Was Deep Work ist und was nicht

Deep Work ist konzentriertes Arbeiten an etwas Anspruchsvollem. Ein voller Tag mit vielen kleinen Dingen ist es nicht, egal wie voll er sich anfühlt. Cal Newports Definition ist kurz, hier ins Deutsche übersetzt:

Konzentriertes Arbeiten ohne Ablenkung an einer Aufgabe, die das Denken stark fordert.

Cal Newport, Seite zu seinem Buch Deep Work auf seiner Website, 2015, übersetzt

Das Gegenteil von Deep Work ist Aktivität, die nie etwas fertig macht. Du scrollst, du räumst um, du checkst E-Mails. Am Ende des Tages warst du beschäftigt, aber hast nichts wirklich geschafft.

Beschäftigt ist nicht erledigt. Deshalb messe ich Deep Work nicht am Tag.

Ich messe es an einer kleineren Einheit, einem einzelnen Deep Work Block. Das ist eine Zeitspanne konzentrierter Arbeit mit einem Ziel und einem Ende.

Ich bewerte Deep Work danach, was ein solcher Block hervorbringt, nicht nach der Zeit am Schreibtisch. Diese Einheit wurde mir aus einem praktischen Grund wichtig.

Warum Deep Work für mich wichtig ist

Für mich war Deep Work nie eine Theorie. Ohne Deep Work werden meine Projekte nicht fertig. Einen einfacheren Grund, warum Deep Work wichtig ist, kenne ich nicht.

Ich habe alles gelesen: Bücher über Fokus, Konzentration, Deep Work. Sie erklären die Wissenschaft dahinter und warum Fokus wichtig ist.

Was keines mir gesagt hat: Wie setze ich mich tatsächlich hin und arbeite 45 Minuten konzentriert? Wie bereite ich mich vor, wie fange ich an, was tue ich, wenn ich den Faden verliere? Deshalb bewerte ich Deep Work danach, was mir ein einzelner Block an einem normalen Tag bringt.

Welchen Wert hat Deep Work?

Der Wert von Deep Work zeigt sich am Ende des Tages, in dem, was deine Blöcke hervorbringen.

Jeder Block beginnt mit einem schriftlichen Ziel. Ohne Ziel arbeitest du irgendwie, mit Ziel arbeitest du irgendwohin. Über einen Tag ergibt das drei Dinge:

  • Ein Ergebnis, nicht nur Aktivität: Ziel für Ziel wird dein Zettel zu einer kompletten Liste deiner Erledigungen.
  • Zufriedenheit: Der Blick auf diese Liste tut gut, und dieses Gefühl lässt dich morgen wieder anfangen.
  • Ein echter Feierabend: Die Erholung am Abend ist genauso Teil deiner Produktivität wie die Arbeit selbst.

Diesen Wert fasse ich in einer Regel zusammen. Sie gilt für einen normalen Arbeitstag, nicht für einen perfekten:

Diese Regel ist ein Urteil aus der täglichen Praxis, kein Messergebnis. Du kannst sie selbst prüfen, in einem einzigen Block mit schriftlichem Ziel und einem ehrlichen Blick aufs Ergebnis. Wie dieser Test geht, steht zwei Abschnitte weiter unten.

Was zerstückeltes Arbeiten wirklich kostet

Arbeit in Bruchstücken fühlt sich schnell an, kostet aber die ungestörte Zeit für schwierige Ergebnisse und deine Ruhe. Das ist die Kehrseite der Drei-Blöcke-Regel.

Romane schreiben ist schwer und braucht lange, ungestörte Zeit, schreibt Neal Stephenson im Essay „Why I Am a Bad Correspondent“. Zwei Stücke von je zwei Stunden ergeben zwar vier Stunden, seien aber weit weniger produktiv als vier Stunden am Stück. Das ist die Aussage eines Autors, keine Studie.

Eine Laborstudie fand etwas Genaueres. Gloria Mark, Daniela Gudith und Ulrich Klocke (CHI-Konferenzbeitrag, 2008) ließen Menschen E-Mails beantworten und unterbrachen sie alle zwei Minuten. Die unterbrochenen Aufgaben waren schneller erledigt, ohne Unterschied in der Qualität.

Aber nach etwa 20 Minuten berichteten die Teilnehmer von mehr Stress, Frust, Zeitdruck und Anstrengung. Der Preis war also ihr Zustand beim Arbeiten, und die Aufgabe war E-Mail statt anspruchsvoller Deep Work. Anspruchsvolle Arbeit kostet noch mehr, denn Flow ist fragil: Wer einmal draußen ist, braucht Minuten, um wieder hineinzukommen.

Ist Deep Work wirklich selten und wertvoll oder nur Newports Meinung?

Die Kosten von Bruchstücken zeigten sich im Labor. Die Behauptung „selten und wertvoll“ ist dagegen Cal Newports Meinung, seine Deep-Work-Hypothese.

Sie ist keine gemessene Tatsache. Sie besagt, dass Deep Work wertvoller wird, je seltener es wird, und dass Menschen, die es pflegen, erfolgreich sind. Du triffst sie neben anderen beliebten Behauptungen, und alle verdienen dieselbe Prüfung:

BehauptungWas die Belege zeigenHält sie?
Deep Work ist selten und wird immer wertvollerNewports Hypothese, kein MessergebnisUnbewiesene These
Aufgabenwechsel frisst bis zu 40 % deiner ZeitGeht auf einen Blog zurück; die Zusammenfassung einer Laborstudie (2001) nennt keine ProzentzahlNicht so wie behauptet
Deep Work verändert dein Gehirn und baut Myelin aufEine Studie: 17 Erwachsene, Training einer Bewegungsfähigkeit, kein Deep WorkNicht belegt
Gates, Rowling und Darwin beweisen esAnekdoten ohne Daten; die Darwin-Behauptung stammt aus einem privaten BlogKein Beweis

Die Laborstudie zum Aufgabenwechsel stammt von Rubinstein, Meyer und Evans (2001). Ihre Zusammenfassung nennt Zeitkosten beim Wechsel in Laboraufgaben, keinen Anteil an der produktiven Zeit. Die Myelin-Studie ist Lakhani et al. (2016), mit 17 gesunden jungen Erwachsenen, die das Zusammenspiel von Auge und Bewegung trainierten.

Ich habe keine Studie durchgeführt und habe keinen Lehrstuhl. Ich hatte ein Problem und habe es gelöst, im Arbeitsalltag eines Einzelunternehmers.

Deshalb ist mein Test praktisch, und du kannst ihn selbst machen. Er zeigt, ob Deep Work funktioniert.

Ich zähle nicht die Blöcke, ich schaue auf die Ergebnisse. Mach einen Block mit schriftlichem Ziel und schau dann, was er hervorgebracht hat.

Ist Deep Work wichtig, wenn dein Job es nicht zulässt?

Ja. Der Test oben funktioniert auch dort, weil eine kleinere Einheit reicht: ein geschützter Block, auch ein kurzer.

Vielleicht arbeitest du im Großraumbüro mit einem Chat-Tool, das nie still ist. Oder du arbeitest im Support, und den ganzen Tag kommen Anfragen rein. Und wenn du der Experte im Team bist, hat deine Nicht-Erreichbarkeit einen Preis für die anderen.

Deshalb fange ich klein an. Wenn du lernen willst, fokussiert zu arbeiten, musst du mit der kleinsten Einheit anfangen, einem einzelnen Block konzentrierter Arbeit. In dieser Einheit zeigen drei Schritte, wie du Deep Work umsetzt:

  1. Sag den Menschen, die dich regelmäßig kontaktieren, dass du zu bestimmten Zeiten nicht erreichbar bist.
  2. Stell den Timer, auch wenn es nur 15 Minuten sind. Das ist besser als nichts.
  3. Schreib das Blockziel als erreichten Zustand auf, nicht als Tätigkeit.

Nichts davon braucht ein eigenes Büro oder ein ruhiges Team. Großraumbüro, Vollzeitjob und Team verdienen je einen eigenen Artikel, deshalb zählt hier nur das Prinzip. Wenn ein kurzer, geschützter Block in deine Woche passt, ist Deep Work auch dort wichtig.

Fang also mit diesem einen kurzen Block an. Was du tust, bevor der Timer läuft, entscheidet, ob der Block mit einem Ergebnis endet oder nur mit Aktivität.

FAQ

Wie viele Stunden Deep Work am Tag brauchst du?

Die realistische Obergrenze für Deep Work liegt bei vier bis sechs hochkonzentrierten Stunden pro Tag. Manche schaffen weniger, manche mehr.

Acht Stunden volle Konzentration sind unrealistisch. Lieber einen Block zu wenig als einen zu viel.

Ist Deep Work dasselbe wie Flow?

Nein. Deep Work und Flow unterscheiden sich.

Flow ist der Zustand, in dem du am produktivsten bist, und Deep Work ist die Arbeit, die dich dorthin bringt. Jeder Schritt im Deep Work Block, von der Vorbereitung bis zu den Pausen, dient dazu, diesen Zustand zu erreichen.

Warum ist Deep Work so schwer, wenn es so wichtig ist?

Deep Work ist schwer, weil deine Umgebung dagegen arbeitet: Dein Smartphone ist darauf optimiert, deine Aufmerksamkeit zu fangen. Wenn du dich trotzdem nicht konzentrieren kannst, liegt es eher an einem fehlenden Prozess als an fehlender Disziplin.