Du kommst unten auf der Seite an und weißt nicht, was darauf stand. Du gehst wieder nach oben, und es passiert noch einmal.

So liest du konzentriert: Bereite dich vor der ersten Seite vor und gib jedem Block ein Ziel. Ein Block ist eine feste Lesezeit mit Timer und einem Ziel.

Dazu bekommst du drei Handgriffe für den Moment, in dem deine Gedanken abschweifen. Und du erfährst, wann du aufhörst.

Der Ablauf für einen Block konzentrierter Arbeit, Schritt für Schritt:

Warum schweifen deine Gedanken beim Lesen ab?

Dein Gehirn hört nicht auf zu denken, nur weil du liest. Deshalb tauchen immer wieder Gedanken auf: andere Aufgaben, Einfälle, Erledigungen.

Dein Gehirn hat Angst, sie zu vergessen. Es wiederholt den Gedanken und drängt dich zum Handeln.

Beim Lesen merkst du nicht, wann deine Gedanken den Text verlassen. Deine Augen wandern weiter die Zeilen hinunter. Erst später merkst du, dass dir von der Seite nichts geblieben ist.

Auch dein Handy, Lärm oder ein müder Kopf können dich wegziehen. Darum kümmerst du dich vor der ersten Seite.

Weiter unten erfährst du, was du tust, wenn dich ein Gedanke von der Seite wegzieht oder du den Faden verlierst. Warum Konzentration ganz allgemein scheitert, erklärt der Artikel Warum kann ich mich nicht konzentrieren?

Mach Kopf, Handy und Raum vor der ersten Seite bereit

Ablenkungen von außen beginnen oft, bevor du das Buch aufschlägst. Prüf deshalb zuerst, wie wach du bist. Dann kümmere dich um Handy, Lärm und Schreibtisch.

Willst du dich beim Lesen konzentrieren, mach diese Prüfung zum ersten Schritt jedes Blocks.

  • Dein Kopf: Frag dich, ob du wach und klar bist. Die Antwort entscheidet, wie lang dein Leseblock wird.
  • Dein Handy: Schalte es aus und leg es in eine Schublade in einem anderen Raum. Lass es nicht auf dem Tisch liegen.
  • Lärm: Setze Ohrstöpsel ein oder einen Kopfhörer mit Noise Cancelling auf. Fenster schließen hilft, hält aber nicht jedes Geräusch ab.
  • Dein Schreibtisch: Lass nur den Text, einen Stift und zwei Zettel liegen. Auf den Protokoll-Zettel kommt dein Ziel. Auf den Gedanken-Zettel kommen ablenkende Gedanken.

Sobald das Handy aus dem Raum ist, merkst du, wie viel ruhiger es in deinem Kopf wird.

Du liest am Bildschirm? Schließ alle Programme und Browser-Tabs, die der Text nicht braucht. Oder öffne ein separates Browser-Fenster nur für ihn.

Wie du andere Unterbrechungen aus konzentrierter Arbeit heraushältst, zeigt der Artikel Ablenkungen bei Deep Work vermeiden.

Gib deinem Lesen ein Ende und ein Ziel, das du prüfen kannst

Ist dein Schreibtisch bereit, stell einen Timer. Er sagt deinem Gehirn, dass das Lesen jetzt beginnt und ein Ende hat. So fängst du auch Texte leichter an, die dir keinen Spaß machen.

Dein Leseblock funktioniert wie jeder konzentrierte Arbeitsblock. Vielleicht fragst du dich deshalb, ob Lesen Deep Work ist.

Schreib dann dein Block-Ziel auf den Protokoll-Zettel. Schreib auf, was am Ende erledigt ist, nicht was du tun wirst.

Statt dieser TätigkeitSchreib dieses Block-Ziel
Kapitel 4 lesenHauptargument von Kapitel 4 in drei Zeilen auf meinem Zettel
Den Bericht durchgehenDie drei wichtigsten Ergebnisse des Berichts notiert
Heute Abend eine Stunde lesenKapitel 6 und 7 zu Ende gelesen

Dein Block-Ziel soll ambitioniert, aber machbar sein. Ist es zu groß, überfordert es dich, und du fängst gar nicht erst an. Ist es zu klein, fehlt dir der Antrieb.

Das Ziel gibt dir Richtung und Antrieb. Es soll dich nicht unter Stress setzen. Laufen Timer und Ziel, kannst du den Text aufschlagen.

Was tust du, wenn deine Gedanken beim Lesen abschweifen?

Läuft dein Block, merkst du irgendwann, dass du abgeschweift bist. Das ist nur der erste Schritt, danach wählst du den Handgriff, der zur Situation passt. Schweifen deine Gedanken beim Lesen ab, verstehst du auch weniger.

Sanders und Kollegen (2017) fanden diesen Zusammenhang, als sie Lesestrategien testeten. Achteten die Leser auf ihr Abschweifen, blieben sie besser bei der Aufgabe. Aber sie verstanden weniger.

In derselben Studie half es, tiefer über den Text nachzudenken. Dann verstanden die Leser mehr.

Geh nach dem Bemerken also zurück zu deinem Ziel oder deinem nächsten Schritt. Das zieht dich wieder in den Text.

Was passiert istDein Handgriff
Ein Gedanke hat dich weggezogen: eine Aufgabe, ein Einfall, eine ErledigungNotiere ein Stichwort auf dem Gedanken-Zettel und kehre zu deinem Ziel zurück
Du weißt nicht mehr, wo du im Text stehstSchreib den nächsten Mini-Schritt auf den Protokoll-Zettel und führ ihn aus
Du liest denselben Satz dreimalDu bist müde. Verkürze den Block, beweg dich, mach einen Power Nap oder lies später

Ein nächster Mini-Schritt kann so aussehen: Fass den letzten Absatz, den du verstanden hast, in einer Zeile zusammen. Liest du müde trotzdem weiter, bekommst du nur Seiten, die du noch einmal lesen musst.

Länger bei der Aufgabe bleibst du mit dem Artikel Fokus bei Deep Work verbessern. Bist du müde, lies den Artikel Konzentrieren, wenn du müde bist.

Beende jeden Leseblock mit einer Notiz, wo du stehst

Die Handgriffe gegen das Abschweifen halten dich beim Lesen, bis der Timer klingelt. Fließt dein Lesen in diesem Moment, lies weiter.

Fließt es nicht, braucht dein Gehirn eine Pause, auch wenn du es nicht spürst. Ohne Pausen werden die nächsten Blöcke schlechter.

  1. Hör auf, wenn der Timer klingelt und das Lesen nicht fließt. Lies nicht vorher noch eine Seite.
  2. Notiere, wo du stehst, auf dem Protokoll-Zettel. Ein Satz reicht: was du zuletzt gelesen hast und was als Nächstes kommt.
  3. Prüf dein Block-Ziel: Hast du es ganz, teilweise oder gar nicht erreicht? Stell es fest. Bewerte es nicht.

30 Sekunden Notizen sparen dir Minuten beim Wiedereinstieg. Mit der Zeit trainiert dich der Blick aufs Ziel. Du schätzt besser ein, was in einem Block realistisch ist.

Mach dann eine echte Pause und lass dein Handy aus. Die Pause ist der gefährlichste Moment für dein Handy. „Nur kurz checken“ wird schnell zu 15 Minuten Scrollen.

Wie lang deine Pausen sein sollten, erklärt der Artikel Deep Work Pausen.

Lies schwere Texte, solange deine Energie hoch ist

Dein nächster Block kann kürzer oder länger sein, denn deine Energie schwankt im Tagesverlauf. Lies anspruchsvolle Texte, wenn du Energie hast, und leichtere, wenn sie nachlässt.

Energie auf einen leichten Text zu verschwenden, ist ineffizient. Einen schweren Text ohne Energie zu lesen, ist es genauso.

  • Wenn du frisch bist: dichte Texte, die du verstehen oder anwenden musst, etwa ein Lehrbuchkapitel, einen Bericht oder einen Vertrag.
  • Wenn deine Energie nachlässt: leichtere Lektüre, etwa einen Roman oder einen Artikel, den du aus Interesse liest.
  • Über den Tag verteilt: Blöcke unterschiedlicher Länge, vielleicht 45 oder 90 Minuten am Morgen und nur 25 am Nachmittag.

Hör für heute mit dem Lesen auf, wenn deine Blöcke schlechter werden und dir von der Seite nichts mehr bleibt.

Zwei Zeichen zeigen es dir: Du brauchst länger, um in den Text reinzukommen, und der Protokoll-Zettel hilft nicht mehr. Dieselben Zeichen sagen dir auch, wann du eine Deep Work Session beenden solltest.

Ein guter Lesetag besteht aus ein paar guten Blöcken hintereinander. Drei fokussierte 45-Minuten-Blöcke pro Tag sind mehr wert als acht Stunden halbkonzentriertes Arbeiten.

FAQ

Solltest du beim Lesen Musik hören?

Meine Empfehlung fürs Lesen: Lass die Musik weg. Musik belegt einen Teil der Aufmerksamkeit, die du für den Text brauchst, auch wenn es sich nicht so anfühlt.

Kannst du ohne Musik nicht lesen, nimm instrumentale Musik ohne Gesang und ohne Wechsel. Lass eine einzige Playlist auf Repeat laufen.

Wie lange solltest du lesen, bevor du eine Pause machst?

Wähl deine Lesezeit danach, wie du dich heute fühlst. Bist du unsicher, starte lieber kürzer.

Lies 90 Minuten, wenn du maximal fit und motiviert bist. Lies 45, wenn du fit, konzentriert und motiviert bist, und 35, wenn du dazwischen liegst. Lies 25, wenn du unkonzentriert bist, und 15, wenn du stark unmotiviert bist.

Kannst du deine Konzentration fürs Lesen trainieren?

Ja, Meditationstraining kann helfen. Zanesco und Kollegen (2016) untersuchten Menschen nach einem oder drei Monaten täglicher Meditation fernab vom Alltag. Danach schweiften ihre Gedanken seltener ab, auch beim Lesen.

Meditiere als eigene Übung, nicht während deiner Leseblöcke oder Pausen.