Du hast vermutlich gehört, dass der Morgen die Zeit für Deep Work ist. Das passt, wenn du ein Morgenmensch bist. Es hilft weniger, wenn du keiner bist, wenn deine Vormittage Meetings gehören oder wenn deine Nachmittage sich immer zäh anfühlen.

Wann solltest du also Deep Work machen? Hier erfährst du, was die Forschung zur Tageszeit hergibt und wie du deinen Zustand vor jedem Block prüfst.

Danach siehst du, welche Aufgabe wohin gehört und was du nach dem Mittagessen tust. Zuletzt findest du deine eigenen besten Stunden.

Der Ablauf für einen Block konzentrierter Arbeit, Schritt für Schritt:

Was sagt die Forschung über die beste Tageszeit für Deep Work?

Die Forschung zeigt: Die Tageszeit spielt fürs Denken eine Rolle, und wie, hängt vom Menschen ab. Eine Uhrzeit, die für alle passt, ergibt sich daraus nicht.

Drei Studien lohnen sich. Jede hat einen anderen Teil der Frage untersucht:

StudieWas untersucht wurdeWas herauskam
Schmidt et al., „A time to think“ (2007)Aufmerksamkeit, exekutive Funktionen und Gedächtnis bei gesunden Erwachsenen (Übersichtsarbeit)Die Effekte hängen davon ab, ob du zu deiner eigenen Hochphase arbeitest
Monk, „The post-lunch dip in performance“ (2005)Leistung am frühen NachmittagBei manchen ein Leistungstief am Nachmittag, auch ohne Mittagessen
Wieth und Zacks, „Time of day effects on problem solving“ (2011)Einsichts- und AnalyseaufgabenEinsichtsaufgaben wurden zur ungünstigen Tageszeit besser gelöst

Der erste Befund betrifft deinen Chronotyp, also deinen natürlichen Rhythmus als Morgen- oder Abendtyp. Er prägt, wann dein Denken am besten funktioniert. Uhrzeiten nennt die Zusammenfassung der Übersichtsarbeit nicht.

Frag also, wann du in deiner Hochphase bist und woran du das an einem bestimmten Tag erkennst.

Was sind die kognitiven Hochphasen für Deep Work?

Wann auch immer deine Hochphasen liegen: Ein Block braucht dich ausgeruht und wach. Das prüfst du vor jedem Block selbst, nicht anhand einer Tabelle mit Uhrzeiten.

Ausgeruht zu sein ist die Voraussetzung. Ohne geistige Fitness funktioniert kein Deep Work Block.

Mach deshalb vor jedem Block einen ehrlichen Selbst-Check: Bin ich wach? Kann ich klar denken? Das Ergebnis bestimmt deinen Block:

  • Fit: 45 oder 90 Minuten, volle Kraft
  • Nicht ganz fit: kürzerer Block oder erst Körper aktivieren
  • Massiv müde: Power Nap (10–20 Min.) oder Block verschieben

Eine Stundentabelle sieht keine schlechte Nacht und keinen schweren Kopf. Deshalb sagt dir dieser kurze Check mehr als jede Tabelle. Er hilft dir auch bei der Entscheidung, ob du überhaupt Deep Work am Morgen machen solltest.

Aufgabe und Blocklänge an deine Energie anpassen

Auch an einem guten Tag bleibt deine Energie nicht von morgens bis abends gleich. Leg anspruchsvolle Arbeit deshalb dorthin, wo du Energie hast, und leichtere dorthin, wo sie nachlässt. Die Blocklänge richtet sich danach.

Morgens schaffst du vielleicht 45 oder 90 Minuten, nachmittags nur noch 25. Energie auf eine leichte Aufgabe zu verschwenden, ist genauso ineffizient, wie eine schwere Aufgabe ohne Energie anzugehen. Wann am Tag du welche Energie hast, ist ein eigenes großes Thema, das ich im Buch nicht behandle.

Auch deine schwachen Stunden haben einen Nutzen. In der Studie von Wieth und Zacks (2011) lösten Menschen Einsichtsaufgaben besser zu ihrer ungünstigen Tageszeit.

Das sind Rätsel, für die du einen plötzlichen Einfall brauchst. Bei Analyseaufgaben zeigte sich kein einheitlicher Effekt.

Die Autoren vermuten, dass kreative Aufgaben von einer ungünstigen Tageszeit profitieren könnten. Eine einzelne Rätselstudie kippt die Energieregel nicht. Aber deine Stunden außerhalb der Hochphase sind nicht verloren.

Kann man nach dem Mittagessen Deep Work machen?

Oft ja, aber am frühen Nachmittag braucht ein Block die meiste Unterstützung. Monk (2005) beschreibt bei manchen Menschen ein Leistungstief am Nachmittag, verbunden mit stärkerer Schläfrigkeit.

Das Tief kann auch ohne Mittagessen auftreten, und ein kohlenhydratreiches Mittagessen verstärkt es. Bei ausgeprägten Morgentypen tritt es womöglich häufiger auf.

Das Essen spielt eine Rolle, weil dein Körper nach großen Portionen Energie zum Verdauen braucht. Diese Energie fehlt dann dem Gehirn.

Ein Kapitel zum Nachmittagstief hat das Buch nicht. Aber die Vorbereitungsschritte, die es für jeden Block nennt, kannst du auf den Nachmittagsblock anwenden:

  • Leicht essen: Ein Snack zwischen den Blöcken ist okay, eine Mahlzeit killt den nächsten Block.
  • Frische Luft: Vor dem Block das Fenster für 3 Minuten öffnen.
  • Wasser: Vor dem Block ein großes Glas Wasser trinken.
  • Bewegung: Direkt vor dem Start 50 Hampelmänner oder 20 Kniebeugen machen.

Müdes Arbeiten kann schlimmer sein als gar nicht zu arbeiten. Klappt der Nachmittagsblock trotzdem nicht, gib diese Stunde leichteren Aufgaben. Und wenn Meetings und E-Mails deine Nachmittage ohnehin füllen, kannst du Deep Work einplanen, und zwar um sie herum.

Wie findest du deine eigene beste Zeit für Deep Work?

Deine beste Zeit zeigt sich in deinen Ergebnissen. Teste sie deshalb an deinen Blöcken, statt sie aus einer Tabelle zu erraten.

Du könntest ein paar Wochen lang deine Energie bewerten, um die beste Tageszeit für konzentrierte Arbeit zu finden. Aber eine Bewertung misst ein Gefühl, nicht das, was du geschafft hast.

Im Buch gebe ich einen einfachen Test für Kaffee: „Vergleiche nicht das Gefühl, sondern das tatsächliche Arbeitsergebnis“, heißt es dort. Auf die Tageszeit übertragen, wird daraus ein kleiner Test mit deinem Protokoll-Zettel, der während eines Blocks neben dir liegt:

  1. Schreib wie gewohnt jedes Block-Ziel auf deinen Protokoll-Zettel.
  2. Notiere die Startzeit daneben (meine Ergänzung).
  3. Gleich das Ziel ab, wenn der Timer klingelt: erreicht, teilweise oder gar nicht.
  4. Heb deine Zettel ein paar Wochen lang auf (im Buch ist das freiwillig). Dann schau nach, wann deine Blöcke ihre Ziele erreicht haben.

Wenn dein Job die Arbeitszeiten vorgibt, lies, wie Deep Work im Vollzeitjob gelingt. Für ein einfaches Protokoll erfährst du, wie du Deep Work trackst. Und für die Woche siehst du, welche Tage sich am besten für Deep Work eignen.

Über die Zeit lernst du, was du an einem Tag realistisch schaffen kannst. Zähl nicht die Blöcke, sondern schau dir die Ergebnisse an. Zwei Blöcke mit guten Ergebnissen sind besser als fünf, durch die du dich nur gequält hast.

Deine beste Zeit zeigt sich Block für Block auf dem Zettel. Zieh jeden Block gleich durch, dann zeigt dir der Zettel nach ein paar Wochen, wann deine Blöcke am besten laufen.

FAQ

Solltest du jeden Tag zur gleichen Zeit Deep Work machen?

Deep Work braucht keine feste Startzeit, und deine Blöcke müssen nicht zur vollen Stunde starten. Manche mögen ein festes Raster, andere setzt es unter Druck. Finde heraus, was für dich funktioniert, denn es zählt, dass die Blöcke stattfinden.

Verändert Kaffee die beste Zeit für Deep Work?

Koffein maskiert Müdigkeit, löst sie aber nicht, und ersetzt deshalb keinen ausgeruhten Start in den Block. Die Müdigkeit kann später als Crash zurückkommen. Teste es mit einem Block mit und einem ohne Kaffee an verschiedenen Tagen und vergleiche das Ergebnis, nicht das Gefühl.

Kann man spät am Abend Deep Work machen?

Manche finden ihre besten Stunden für Deep Work spät in der Nacht. Meine eigene Regel kommt vom Ende des Arbeitstags: Wenn Feierabend ist, gehört der Abend der Erholung. Wer abends weiterarbeitet, zahlt am nächsten Morgen dafür.