Du liest die Wörter „Fokus“ und „Konzentration“ ständig nebeneinander. Mal scheinen sie dasselbe zu bedeuten, mal nicht. Sind das zwei Fähigkeiten, die du trainieren musst, oder nur eine?

Hier bekommst du zuerst eine klare Antwort zu den Wörtern. Dann lernst du die zwei Aufgaben dahinter kennen und erkennst schnell, welche bei dir hakt. Zum Schluss bekommst du für jede Aufgabe eine Lösung, innerhalb eines einzigen Arbeitsblocks.

Der Ablauf für einen Block konzentrierter Arbeit, Schritt für Schritt:

Sind Fokus und Konzentration dasselbe?

Im Alltag meistens ja. Beide Wörter stehen dafür, eine Aufgabe anzuvisieren. Und beide stehen dafür, bei ihr zu bleiben.

„Ich kann mich nicht fokussieren“ und „Ich kann mich nicht konzentrieren“ beschreiben denselben verlorenen Nachmittag.

Wer den beiden Wörtern verschiedene Bedeutungen gibt, trifft eine Entscheidung. Eine Regel ist das nicht.

Hier überschneiden sich die beiden Wörter:

  • „Fokus“ fürs Zielen: „Fokus“ benennt das eine, worauf du zielst, etwa in „Heute liegt mein Fokus auf dem Bericht“.
  • „Fokus“ fürs Dranbleiben: „Den Fokus verlieren“ heißt, du bleibst nicht bei einer Aufgabe, die du schon gewählt hattest.
  • „Konzentration“ für beides: „Konzentration“ beschreibt, wohin deine Aufmerksamkeit geht und wie lange sie dort bleibt.

Auch in meinen eigenen Texten tauchen beide Wörter auf. Ich schreibe darüber, „fokussiert zu arbeiten“, und über „einen einzelnen Block konzentrierter Arbeit“.

Eine einzige richtige Antwort zu den Wörtern gibt es also nicht. Bei der Arbeit ist eine Art der Trennung aber nützlicher.

Was ist der Unterschied zwischen Fokus und Konzentration bei der Arbeit?

Am Schreibtisch behandelst du Fokus und Konzentration als zwei Aufgaben innerhalb eines Blocks. Das ist der Unterschied zwischen Fokus und Konzentration, der bei der Arbeit zählt.

Ein Block ist eine feste Zeitspanne fokussierter Arbeit. Seine Länge hängt davon ab, wie du dich fühlst. Bist du fit und konzentriert, dauert ein Block 45 Minuten.

Zielen (Fokus)Halten (Konzentration)
Was es tutWählt eine Aufgabe und ein ErgebnisHält dich bei dieser Aufgabe
Wann es passiertBevor du anfängst und nach jedem SchrittWährend du arbeitest
Welche Frage es beantwortetWas genau mache ich jetzt fertig?Bin ich noch dran?

Diese Bezeichnungen gelten für den Rest dieses Artikels: Fokus heißt Zielen, Konzentration heißt Halten. Jede Bezeichnung passt zu einer Art, wie Menschen das Wort verwenden. Beide Wörter haben aber auch andere Bedeutungen.

Wie die Aufmerksamkeit dazu passt, erfährst du im Artikel über Fokus, Konzentration und Aufmerksamkeit.

Jede Aufgabe hakt in einem anderen Moment. Deshalb braucht jede ihre Lösung genau in diesem Moment. Außerdem versagen die beiden Aufgaben nicht immer gleichzeitig.

Kann man Fokus ohne Konzentration haben?

Ja. Du kannst auch Konzentration ohne Fokus haben. Deshalb führt dich eine Verwechslung zur falschen Lösung.

Der erste Fall: Du zielst, aber du hältst nicht. Das Ziel steht, und du bist in der Aufgabe. Trotzdem kannst du dich nicht konzentrieren.

So sieht ein Tag mit schlechter Konzentration bei mir aus.

Der zweite Fall ist das Gegenteil: Du hältst, aber du zielst nicht. Du sitzt den ganzen Block am Schreibtisch und arbeitest. Aber nichts legt fest, was dabei herauskommen soll.

Ohne Ziel arbeitest du irgendwie. Mit Ziel arbeitest du irgendwohin. Ein Block ohne Ziel endet mit erledigter Arbeit, aber nichts ist fertig.

Was hakt bei dir?

Die beiden Aufgaben können getrennt versagen. Schau also, wann und wie es hakt: bevor du anfängst oder während du arbeitest.

Das ist eine einfache Sortierhilfe. Such die Zeile, die zu deinem letzten Block passt.

Was passiertWelche Aufgabe hakt
Du setzt dich hin und weißt nicht, was dieser Block ergeben sollZielen
Du hast einen Schritt erledigt und weißt nicht, was als Nächstes kommtZielen, im Kleinen
Andere Aufgaben, Einfälle und Erledigungen schießen dir durch den KopfHalten
Du kennst das Ziel, verlierst aber den Faden oder die KonzentrationHalten

Die meisten dieser Fälle treten mitten im Block auf. Der zweite Fall fühlt sich wie verlorene Konzentration an. Was fehlt, ist aber das nächste Ziel im Kleinen.

Das behebst du mitten im Block mit einem kleinen aufgeschriebenen Schritt, wie du weiter unten siehst. Deshalb passieren beide Lösungen auf Papier.

Klappt heute keine der beiden Aufgaben, prüf zuerst deinen Zustand. Bist du ausgeschlafen und wach? Mehr dazu findest du im Artikel darüber, warum du dich nicht konzentrieren kannst.

Wenn das Ziel fehlt: Schreib das Block-Ziel auf

Hakt das Zielen, behebst du es, bevor du anfängst. Schreib auf, was dieser Block ergeben soll, als fertigen Zustand.

Ein Ziel nur im Kopf ist vage. Ein Ziel auf Papier ist verbindlich. Schreib es auf einen Protokoll-Zettel, einen leeren Zettel auf deinem Schreibtisch für dein Ziel und deine Arbeitsschritte.

  1. Schreib das Endziel des ganzen Projekts als erreichten Zustand auf: Gut ist „Artikel ist veröffentlicht“, schlecht ist „Artikel schreiben“.
  2. Schreib ein Zwischenziel auf, wenn es hilft. Das ist der nächste Meilenstein: „Artikel ist fertig geschrieben“.
  3. Schreib das Block-Ziel auf, also das Ergebnis, das dieser Block erreichen soll: „Erster Entwurf der Gliederung ist erstellt“.
  4. Schreib die nächste Handlung auf, falls sie noch nicht klar ist. Das ist der kleinste konkrete Schritt, den du jetzt tun kannst.
  5. Fang an.

Formuliere ein Ziel immer als erreichten Zustand, nie als Tätigkeit: „Ist erledigt“, nicht „erledigen“. Mach das Block-Ziel ambitioniert, aber machbar.

Zu groß führt zu Überforderung, zu klein gibt keinen Antrieb. Und setz dich nicht unter Druck: Erreichst du das Ziel nicht, geht die Welt nicht unter.

Das Ziel ist der letzte von drei Startschritten. Davor lässt du die Musik weg und stellst den Timer. Den ganzen Start findest du im Artikel darüber, wie du in Deep Work kommst.

Wenn du nicht dranbleibst: Gedanken parken, nächsten Schritt aufschreiben

Hält deine Konzentration nicht, hilft dir während des Blocks ein Stift. Dein erstes Werkzeug ist der Gedanken-Zettel. Das ist ein zweiter leerer Zettel, dein Parkplatz für alle Gedanken, die nichts mit der Aufgabe zu tun haben.

Ertapp den Gedanken, notier dort ein Stichwort und kehr dann zum Protokoll-Zettel zurück. Sobald der Gedanke auf Papier ist, gibt dein Gehirn Ruhe.

Dein zweites Werkzeug ist der nächste Mini-Schritt, das kleinste nächste Stück Arbeit. Nutze ihn, wenn du den Faden verlierst, also vergisst, wo du gerade bist. Er hilft auch, wenn du dich nicht konzentrieren kannst oder nicht weißt, was als Nächstes kommt (Zeile zwei der Sortierhilfe).

Schreib den Mini-Schritt auf den Protokoll-Zettel und führ ihn dann aus. Du kannst keinen Schritt aufschreiben, ohne zu wissen, was er ist. Deshalb bringt dich das Schreiben zurück in die Aufgabe.

Schreib nicht alles auf, denn das Aufschreiben kostet selbst Zeit und Aufmerksamkeit. Nutze es also nur, wenn du den Faden verlierst. Weitere Werkzeuge findest du im Artikel über deinen Fokus während einer Deep-Work-Sitzung.

Ein Block umfasst beide Aufgaben: ein aufgeschriebenes Ziel am Anfang, einen Stift während der Arbeit. Zwei leere Zettel kosten fast nichts. Dafür endet dein nächster Block mit etwas Fertigem.

FAQ

Sagt man „sich fokussieren auf“ oder „sich konzentrieren auf“?

Sowohl „sich fokussieren auf“ als auch „sich konzentrieren auf“ sind richtig. Beide funktionieren gleich: erst das Verb, dann „auf“, dann die Aufgabe.

In anderen Zusammenhängen unterscheiden sich die Wörter. Bei einem Kameraobjektiv stellst du den Fokus ein, und Orangensaft gibt es aus Konzentrat.

Gibt es eine einfache Eselsbrücke für den Unterschied?

Denk an einen Bogenschützen. Das Zielen wählt die Zielscheibe, und das ruhige Halten bleibt auf ihr, bis der Schütze den Pfeil loslässt. Dieser Artikel nennt das Zielen Fokus und das Halten Konzentration, damit es klarer wird.

Kann man Fokus und Konzentration getrennt trainieren?

Fokus und Konzentration werden beide mit Übung besser, jeweils auf eigene Weise. Je mehr Block-Ziele du aufschreibst, desto besser schätzt du ein, was in einen Block passt.

Einen abschweifenden Geist zu ertappen, wird mit jedem Block leichter. Das ist eine Antwort auf die Frage, ob man Fokus verbessern kann.